Pfarrer Johannes Misterek hat einen Gemeinderundbrief zu Corona geschrieben. Sie können diesen als pdf-Dokument lesen bzw. herunterladen oder den unten stehenden Text auf dieser Seite


Gemeinde-Rundbrief zur aktuellen Situation: Herunterladen als pdf-Dokument


Liebe Gemeindemitglieder,
liebe Schwestern und Brüder,

ich sitze im Pfarramt in der Obergasse 22 und schreibe diesen Brief in ungewöhnlichen Zeiten. Mein Blick fällt durch das Fenster auf unsere Kirche. Am Sonntag haben wir dort den vorerst letzten Gottesdienst gefeiert. Mindestens bis nach den Osterferien hat unser Kirchenvorstand alle Gottesdienste und Veranstaltungen absagen müssen. Davon sind die Ostergottesdienste betroffen, aber auch alle Termine der Konfirmanden, Chorproben, Konzerte, Kurse der Ev. Familienbildung, private Vermietungen im Gemeindehaus ARCHE etc. Das Gemein-debüro ist für den Publikumsverkehr geschlossen. Das ist schmerzlich, aber offenbar notwendig. Es geht in diesen Tagen darum, die Notwendigkeit einander zu schützen als gemeinschaftliches Handeln zu begreifen. Das ist ein Gebot der Nächstenliebe. Oder wie es Bundespräsident Steinmeier gestern gesagt hat: „Halten wir heute voneinander Abstand – damit wir uns morgen wieder umarmen können.“

Ich möchte in diesem Rundbrief drei Themen ansprechen, die mir gerade jetzt wichtig erscheinen:

1. Geistliche Orientierung angesichts aufbrechender existentieller Sorgen und Nöte.
2. Neue Wege in der Gemeindearbeit – drei erste Initiativen: Offene Kirche, Sorgennetz, Homepage
3. Kommunikation untereinander während der Zeit der Corona-Pandemie.

Vielleicht haben Sie/habt ihr in den kommenden Tagen Zeit, diesen ausführlichen Brief zu lesen und darauf ggf. zu antworten. Es würde mich freuen!

Wir stehen noch ganz am Anfang. Ich denke, es ist ratsam nicht in Aktionismus zu verfallen. Das, was wir uns heute mit Ruhe und Augenmaß überlegen, wird vermutlich in zwei bis drei Wochen für viele besonders ältere Menschen eine Stütze und Hilfe sein.

1. Geistliche Orientierung angesichts aufbrechender existentieller Sorgen und Nöte

Von heute auf morgen ist das Leben nicht mehr wie vorher. Was heißt das nun für uns als Christinnen und Christen? Wir müssen uns in den nächsten Wochen ungewollt einschränken. Aber nicht nur das. Manche unter uns bangen nicht nur um die eigene Gesundheit und die ihrer Familienmitglieder, Bekannten und Freunde. Für einige von uns stellt sich konkret die Frage, wie es auf der Arbeit weitergehen wird. Wird es weitergehen? Und wenn ja, wie lange noch? Existentielle Fragen sind aufgeworfen worden, über Nacht. Da braucht es einen Halt, jemanden, der uns hält, damit wir andere halten können.

Ich möchte in den kommenden Wochen nicht zu jenen gehören, die meinen, über den Din-gen zu stehen. Vieles ist jetzt ungewiss. Es gibt keine Patentrezepte. Die Lage ändert sich irgendwie gefühlt von Tag zu Tag. Ich verstehe die Menschen, die Angst haben. Ich kenne dieses Gefühl auch. Der Glaube macht nicht angstfrei. Das sehen wir an Jesus Christus. In der Passionszeit begleiten wir ihn auf seinem Weg durch das Leiden. Jesus war kein Angst-Verächter, er stand nicht als der Souveräne über den Dingen. Im Garten Gethsemane, kurz vor seiner Verhaftung, betet Jesus. Und da heißt es: „Er geriet in Todesangst und betet noch heftiger. Und sein Schweiß wurde wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen.“ (Lukas 22, 43 und 44) Auch Jesus hatte Angst, sogar Todesangst.

Vertrauen in Gott macht nicht angstfrei. Im Gegenteil, im Glauben kann ich meine Angst er-kennen und sie vor Gott benennen. „Alle Eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch“, so heißt es im Petrusbrief (Kap. 5, 7) Wie wäre es, wenn wir im Garten unserer Kirche einen Ort gestalten, wo wir unsere Sorgen abladen können? Nur eine Idee. Vielleicht hat jemand eine Idee wie wir diesen Gebetsort im Freien vor der Kirche gestalten können? Wir machen einen Spaziergang oder eine Fahrradtour. Im Gepäck haben wir einen Stein, der symbolisch für unsere Sorgen steht. Diese bringen wir zum Haus Gottes. Wir denken dabei an Menschen, für die wir beten, die wir in Gedanken vor Gott bringen.

Geistliche Orientierung gewinnen wir im Gebet. Jetzt ist die Stunde der Beterinnen und Beter. Sammeln wir Gebetsanliegen in der Kirche. In den Zeiten, in denen die Kirche geöffnet ist (siehe unten), können wir stellvertretend füreinander in der Stille die Gebetsanliegen vor Gott tragen. Die Angst Gott anvertrauen – das hilft. Gott hilft, das dürfen wir dann erfahren. Gott hat versprochen, jedes ehrliche Gebet zu beantworten. Zu SEINER Zeit. Das Problem ist (noch) nicht gelöst. Doch wir wissen, da ist einer, der mit uns durch diese Zeit der Corona-Krise hindurchgeht.

2. Neue Wege in der Gemeindearbeit

Als ich von dem Shutdown in Hessen hörte, dachte ich zunächst an Rückzug. Für einige Wochen alles ruhen lassen. Dieses Gefühl hielt aber nur wenige Augenblicke an. Dann begann in mir die die Frage zu arbeiten: Was würde eigentlich Jesus jetzt tun, wenn er wüsste, auch er könnte ein Überträger des Virus sein? In kurzer Zeit haben wir uns im Kirchenvorstand und mit weiteren Ehrenamtlichen zusammentelefoniert und begonnen nach neuen Wegen zu den Menschen zu suchen. Bietet diese Krise nicht auch eine Chance, Menschen das Evangelium nahezubringen – durch unsere Taten, durch unsere Worte, durch unser Gebet?

Drei erste Initiativen möchte ich vorstellen und zur Mitarbeit einladen.

 

Offene Kirche für das stille Gebet

Täglich, von Montag bis Sonntag ist unsere Kirche ab Donnerstag, dem 19. März in der Zeit von 10 - 18 Uhr für alle geöffnet, um zu beten und inne zu halten. Im Kirchenraum finden wir Gebete und Texte, die unsere persönliche Andacht unterstützen können. Wir sammeln Gebetsanliegen und bringen diese stellvertretend vor Gott.

Um das Angebot der offenen Kirche anbieten zu können ist es notwendig, dass täglich für den Zeitraum von 10 - 18 Uhr die Kirche beaufsichtigt wird. Die Kirche soll vor Vandalismus und Diebstahl geschützt werden. Außerdem sollte ein Ansprechpartner vor Ort sein. Alles mit dem gebührenden Abstand.

Neben Personen aus dem Kirchenvorstand sowie den in unserer Kirchengemeinde nebenamtlich beschäftigten Mitarbeiter*innen würden wir uns freuen, wenn auch Sie/ihr als ehrenamtliche Mitarbeiter*in der Gemeinde einen Dienst übernehmen würden.

Der Dienstplan sieht täglich folgende Schichten vor:

10 - 12 Uhr / 12 - 14 Uhr / 14 - 16 Uhr / 16 - 18 Uhr

Bitte melden Sie sich/meldet Euch bei Interesse bei unserem Kirchenvorsteher Matthias Kallmeyer (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). Er übernimmt die Einteilung. 

 

Gemeinsam knüpfen wir ein „Sorgennetz“

Statt öffentlicher Veranstaltungen möchten wir ein Sorgennetz bilden. Dazu gehören die seelsorgerliche Begleitung, Einkaufshilfen, sonstige Unterstützung und ggf. auch Kinderbetreuung. Wir haben dazu eine Whatsapp-Gruppe gegründet: SORGENNETZ DORTELWEIL. Tamara Mews und ich sind Ansprechpersonen für das Sorgennetz. 

Unser Besuchsdienst wird keine Hausbesuche mehr vornehmen können. Dennoch werden die Jubilare angerufen und wir werfen eine Grußkarte in den Postkasten. Dazu legen wir einen Brief, der die Idee des „Sorgennetzes“ erläutert und Adressen und Telefonnummern vermittelt. 

Bei einem Hilfebedarf wenden Sie sich/wendet Euch bitte an Tel. 0178-4107880. 

Wenn Sie/wenn ihr mithelfen möchten/möchtet, schreibt eine Whatsapp-Nachricht an 0178-4107880. Oder Anruf unter 06101-2255. Wir versuchen Hilfesuchende und Helfende zu vermitteln. 

 

Geistliche Impulse und Informationen auf unserer Homepage

In nächster Zeit wird es darauf ankommen, miteinander in Kontakt zu bleiben, auch wenn wir Abstand nehmen müssen. Deswegen wollen wir die Möglichkeiten unserer Homepage nutzen und erweitern. Bereits heute finden wir dort die aktuelle Bekanntmachung des Kirchenvorstandes, ein Video von Kirchenpräsident Volker Jung zur Corona-Pandemie, eine Aufnahme des vorerst letzten Gottesdienstes in der Kirche, Predigten der letzten Sonntage, ein Gebet aus aktuellem Anlass. 

Einige von uns haben in den nächsten Tagen mehr Zeit. Daher laden wir Sie/Euch ein, sich an der Gestaltung der Homepage zu beteiligen. Vielleicht hat jemand eine Mut machende Ge-schichte? Vielleicht ein Bild, ein eigenes Foto, das Zuversicht ausstrahlt? Wir können Gebete selber schreiben und veröffentlichen. Auch Video- und Audio-Nachrichten sind möglich.

Bitte wenden Sie sich/wendet Euch an Caroline Gabbert, die unsere Homepage betreut und die Texte, Bilder, Dateien online stellt. Sie ist unter folgender E-Mail-Adresse zu erreichen: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

3. Kommunikation untereinander während der Zeit der Corona-Pandemie

Neben den ersten Initiativen, die ich oben dargestellt und zur Mitarbeit eingeladen habe, wollen wir weiter nach Wegen suchen, wie wir miteinander Halt und Kraft im Evangelium finden. Dafür müssen wir uns austauschen, aufeinander hören und miteinander sprechen – jetzt erst einmal durch das Telefon oder mit Abstand. So wie wir die gesundheitliche, wirtschaftliche und politische Krise nur gemeinsam bewältigen werden, so werden wir auch die geistliche Krise nur gemeinsam durchstehen. Haben wir einen langen Atem. Nehmen wir Rücksicht. Bleiben wir solidarisch und mitfühlend.

Für seelsorgerliche Gespräche stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung (06101-2255 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). In der nächsten Zeit sehe ich eine meiner Hauptaufgaben in der „Telefonseelsorge“. Das heißt, ich werde Menschen in unserer Gemeinde anrufen, wo ich den Eindruck habe, dass sie sich über einen Anruf freuen. Falls Sie/ihr jemanden wissen/wisst, dem ein Anruf des Pfarrers helfen könnte, bitte ich um einen Hinweis.

 

Geben Sie/gebt diesen ersten GEMEINDE-RUNDBRIEF gerne an interessierte Mitbürgerinnen und Mitbürger weiter. In den nächsten Tagen und Wochen werden weitere Rundbriefe folgen. Lassen Sie/lasst uns Initiativen in unserem Ort miteinander vernetzen. Tun wir alles uns Mögliche, um uns umeinander zu sorgen.

Und mögen wir Zuversicht und Stärke aus dem Glauben schöpfen, dass wir einen letzten Schutz in Gott niemals verlieren.

 

In herzlicher Verbundenheit,
Ihr/Euer Pfarrer

Johannes Misterek